Unterwegs für den europäischen Naturschutz

Wir unterstützen den Naturschutz in Griechenland. Alleine im Jahre 2021 sind 1.113.464 Hektar Waldfläche in Europa durch Brände zerstört worden. Besonders betroffen von dem Klimawandel bedingten Waldbränden war Griechenland. Die Brände schadeten sowohl den Menschen vor Ort als auch dem Klima und den Wildtieren. dieUmweltDruckerei spendet daher sowohl an ein Wildtier- als auch an ein Aufforstungsprojekt in den betroffenen Regionen. Dr. Kevin Riemer-Schadendorf von der UmweltDruckerei und eine befreundete Filmemacherin, Anastasia Zeller, reisen nach Athen, um für euch über die nachhaltige Arbeit der lokalen NGOs zu berichten.

Naturschutz in Griechenland

Klimaschonend reisen

Wie bei unserem Artenschutzprojekt in Transsilvanien möchten wir zunächst prüfen, ob auch eine klimaneutrale An- und Abreise möglich ist – heißt: Zug statt Flieger. Wir leben in Hamburg; das Naturschutzprojekt hat seinen Sitz in Athen. Gut 2.000 km Luftlinie entfernt. 

Ein Hin- und Rückflug von Hamburg nach Athen verursacht für eine Person eine CO2-Menge von insgesamt 0,85 Tonnen. Die Reise mit dem Zug sollte entsprechend klimaschonender ausfallen. Obgleich die Deutsche Bahn im Fernverkehr innerhalb Deutschlands mit Ökostrom fährt, reist man international betrachtet, auch wenn ausschließlich Züge genommen werden, nicht automatisch klimaneutral; schließlich kennen wir nicht den Strommix der Zugbeitreiber sämtlicher europäischer Länder auf unserem Weg. Statt 4.000 km Luftweg kalkulieren wir insgesamt rund 6.000 km Landweg für Bus und Bahn. Dennoch kommen wir auf einen Wert von lediglich 0,23 Tonnen CO2, den dieUmweltDruckerei entsprechend kompensiert

Der Weg ist das Ziel

Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen – wusste schon Goethe. Und wer mit Bus und Bahn reist, hat den Dichter wohl verstanden. Wir reisen also klimaschonend mit dem Interrail-Ticket. Goethe schrieb aber auch, dass eine Reise einem Spiel gleicht; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite. Aber eben genau das macht das Spiel ja eben so interessant. Gleich am Abfahrtsort in Hamburg starten wir mit einem krachenden Verlust. Unser frühmorgendlicher Zug hat erst eine halbe Stunde Verspätung aufgrund von “Reparaturen am Zug” und wird dann ersatzlos gestrichen.

Unsere Sitzplatzreservierungen für den geplanten Direktzug waren natürlich weg. Stattdessen fuhren wir vierzehn Stunden über Berlin und Wien nach Budapest. Reichlich übermüdet erreichen wir um 22 Uhr die ungarische Hauptstadt. Es ist Freitagabend. Um uns herum trinken und tanzen die Nachtschwärmer:innen. Zu einem Feierabendbier können wir uns zwar gerade noch überreden, doch dann wollen wir einfach nur ins Hotel. Schließlich fahren wir gleich morgen früh mit dem Bus weiter nach Serbien.

Eines der wenigen beleuchteten Gebäude in Budapest bei unserer Ankunft. Wie in vielen europäischen Städten wird auch hier die dekorative Beleuchtung früher abgeschaltet, um Energie zu sparen.

Der Wecker klingelt erbarmungslos um 6 Uhr am Morgen. Heißt für uns: Rücksäcke wieder auf und ab zum Budapester ZOB. Am Nachmittag empfängt uns Belgrad mit herrlichem Herbstsonnenschein. Wir sterben vor Hunger. Jede:r Reisende, die/der auch im Ausland vegetarisch oder vegan essen gehen möchte, kennt das Problem – wo finde ich ein fleischfreies Restaurant? Auf dem Balkan eine echte Herausforderung! Doch Happy Cow weiß meistens Rat und wir lassen uns im Radost-Restaurant reichlich Ramen mit Gemüse sowie Pita, Falafel und Baba Ghanoush schmecken. Anschließend besteigen wir die Belgrader Burganlage und genießen den majestätischen Sonnenuntergang über der Save.

Anastasia nutzt die goldene Stunde, um das Abendlicht für uns einzufangen.

Am kommenden Vormittag brechen wir auf zum Zentralen Omnibusbahnhof. Es ist nicht das erste Mal, dass ich die serbische Hauptstadt samt ihrem legendären Nachtleben besuche. Vor gut zehn Jahren nahm ich an einer Urban Art Tour teil. Ich erinnere mich an mein liebstes Mural der Stadt. Es stammt von dem italienischem Künstlerkollektiv BLU und verdeutlicht das Verhältnis von Mensch und Natur. Wir beschließen also einen kleinen Umweg einzulegen, um das Straßenkunstwerk zu besuchen. Und tatsächlich – es ist noch immer da; nur inzwischen etwas von der Sonne ausgeblichen.

Serbischer Titel des Murals: „Grad koji jede drveće“ – übersetzt: „Die Stadt, die Bäume isst“

Abfahrt nach Bulgarien. Viele Fernbusse haben inzwischen Wifi. Es ist zwar Sonntag, aber so kann ich die Fahrtzeit entspannt nutzen, um zu arbeiten. Das schreibe ich als fleißiger Angestellter natürlich nur, da ich weiß, dass auch unsere Geschäftsführung den Blog-Artikel liest.

Die Busfahrt in die bulgarische Hauptstadt schlängelt sich durch die waldigen Hügel- und Berglandschaften Ostserbiens. Die Nachmittagssonne taucht die Farbenpracht der Herbstwälder in goldenes Licht. Einfach nur schön.

Ein typischer Satz, wenn man jemanden ein atmosphärisches Urlaubsfoto zeigt, passt auch hier: „Man muss es selbst gesehen haben. Das kommt auf dem Bild irgendwie nicht rüber.“

Der Grenzübergang von Serbien nach Bulgarien bedeutet auch die Einreise in die Europäische Union aus einem Nicht-EU-Land. Welchen hohen Wert es hat, grenzenlos zwischen Schengen-Staaten zu reisen, wird einem hier wieder bewusst: Stau. Einreise-Passkontrolle. Schlangestehen. Drogenspürhunde. Warten. Fahrzeugkontrolle. Ausreise-Passkontrolle.
Darüber hinaus spüren wir, wie privilegiert wir mit unseren deutschen EU-Ausweisen sind. Unsere Kontrolle dauert nur wenige Sekunden. Nicht-EU-Ausländer:innen müssen sich einen Fragenkatalog über sich ergehen lassen. Erst von den serbischen Grenzschützer:innen; dann von den bulgarischen.

Auf serbischer Seite wurde unser Reisebus mit Drogenspürhunden durchsucht.

Die bulgarischen Grenzschützer:innen fragten ganz genau nach, wer in die EU einreist.

Auch ein vielleicht dreißigjähriger Ukrainer wird ausgefragt. Mit ihm kommen wir ins Gespräch. Er heißt Georgij und ist ein Kriegsgeflüchteter aus Odessa. Ich war vor drei Jahren in Odessa und weiß, dass die Menschen dort mehrheitlich Russisch sprechen. Meine Reisebegleiterin Anastasia spricht fließend Russisch, doch meine russischen Sprachkenntnisse sind noch deutlich ausbaufähig. Zu Beginn unterhalten wir uns daher lediglich auf russischen Volkshochschulniveau miteinander; schnell merke ich jedoch, dass sein Englisch weit besser als mein Basisrussisch ist. Und so berichtet er uns von seinem Schicksal.

„I’ve fought in the Ukrainian-Russian war and I was a member of the revolution in 2014. Although I’m a man I’m allowed to leave the Ukraine because of the concussion I got during the war. Two month ago I left the Ukraine to go to France, but it was way to expansive to live there. So now I’m trying to find my ‘happiness’ in Bulgaria. But I don’t know what to expect there. To be honest: I miss and I am worried about my hometown, my family, my dog and especially my fiancée, but I have to find work to support them…”

Er fragt mich nach den Kriegsauswirkungen in Deutschland. Ich könnte über die Gaspreissteigerungen und die Inflation klagen, doch die eigenen Probleme im reichsten Land Europas sind überschaubar im Vergleich zu dem, was die Menschen in Kriegsgebieten erleiden, also antworte ich kleinlaut „Wsjo parijadke – everything okay“ – und meine es relativ ernst.

Am späten Abend erreichen wir Sofia. Mit Sofia verbinde ich viel. Unter anderem schöne Kindheitserinnerungen. Neben meinem Beruf bei der UmweltDruckererei bin ich Buchautor. In der bulgarischen Hauptstadt habe ich einst meine erste Kurzgeschichte verfasst. Sie handelt von der Migrationskrise 2015. Eine Stadt, die ich als Kind, als Autor und nunmehr beruflich bereisen darf – wenn auch nur kurz. Aufgrund der späten Stunde werfen wir unsere vier Rucksäcke ins Hotelzimmer und wählen das erstbeste bulgarische Restaurant ums Eck – und landen einen Volltreffer. Wir genießen regionale Spezialitäten in einer rustikalen Gaststätte und lauschen müde aber glücklich der bulgarischen Live-Folklore.

Bulgarische Volkslieder zu warmen Brot und leckerem Schopska-Salat.

Der letzte Streckenabschnitt mit dem Bus nach Thessaloniki ist vielleicht der schönste der gesamten Strecke. Parallel zum glitzernden Fluss Struma mäandern wir südwärts in geruhsamer Fahrt vorbei an herrlichen Bergpanoramen über die bulgarisch-griechische Grenze. Über den makedonischen Kerkini-See-Nationalpark erreichen wir am Nachmittag die nordgriechische Hafenstadt Thessaloniki.

Große Freude! Endlich angekommen im Norden von Griechenland. Im Hintergrund ein Straßenkunstwerk von DAL und Faith47.

Am fünften Anreisetag erreichen wir nach gemütlicher Zugfahrt entlang der griechischen Ägäis unser Ziel: Athen! Auf dem Weg hierher haben wir sechs Länder durchreist: Deutschland, Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien und Griechenland. Trotz aller Anstrengung wollen wir keinen Reisetag davon missen. Wer einen entspannten Urlaubstrip mit dem Bus und Zug plant, sollte sich jedoch unbedingt mehr Zeit nehmen, um die angefahrenen Orte besser genießen zu können.

Wildtierschutz im Herzen von Athen

Heute besuchen wir die Wildtierschützer:innen von Anima, die wir mit einer Spende von 2.000 EUR unterstützen. Der Tierarzt Georgios und die Gründerin Maria begrüßen uns herzlich. Georgios berichtet uns, dass viele Wildtiere nach den Waldbränden ihr Zuhause verloren haben, wodurch sie alle Hände voll zu tun hätten. Alleine im Juli dieses Jahres haben sie über 1.000 Anfragen erhalten. Kaum zu schaffen für eine kleine NGO, die auf ehrenamtliche Mitarbeit und Spenden angewiesen ist. Doch hier werden nicht nur Wildtiere medizinisch erstversorgt, die aufgrund der Brände eingeliefert werden, sondern auch solche, die im urbanen Raum verletzt wurden.

Dieser Uhu hat sich den Flügel an einem Elektrozaun verbrannt und wird derzeit von Georgios verarztet. Was übrigens aussieht, wie die Ohren des Uhus sind bloß Federn – mit dem Gehör haben diese ‘Federohren’ nichts zu tun, erklärt uns der Veterinärmediziner.

Wobei sich dieser süße Kauz den Flügel gebrochen hat, wollte der Vogel dem Tiermediziner allerdings nicht verraten. Sein Flügel wurde geschient. Er kann nach der vollständigen Heilung problemlos wieder ausgewildert werden.

Eine Kollegin von Georgios übernimmt. Anna engagiert sich ebenfalls seit Jahren für Anima. Es ist ein „24/7-Job“, der einen zu 100 % fordert. Die Wildtiere müssen nahezu rund um die Uhr gefüttert und versorgt werden. „Bist du mit dem letzten Tier fertig, kannst du gleich beim Ersten wieder anfangen.“ Krank werden oder Urlaub nehmen ist kaum möglich. Ein Corona-Ausbruch hier in der Station und der damit einhergehende personelle Engpass wäre ein Albtraum. Es herrsche daher obligatorische Maskenpflicht und hohe Hygienevorschriften.

Ich erinnere mich an meinen Besuch bei einer Wildtierstation in Hessen, die wir 2020 unterstützten. Die dortige Leiterin und ihr Team engagierten sich ebenfalls mit all ihrer Kraft dem Schutz der Wildtiere. 24 Stunden. Sieben Tage die Woche. Kein Urlaub. Ich bin immer wieder beeindruckt von Menschen, die sich so aufopferungsvoll, um das Wohl von Tieren kümmern.

Anna zeigt uns einen Greifvogel. Dieser Wespenbussard verlor bei einem Zusammenstoß mit einem Auto sein Augenlicht. Wie sein Name schon verrät, ernährt er sich von Wespen. Sein dichtes Gefieder sowie die Hornplättchen an seinen Klauen schützen ihn vor Wespenstichen. Aufgrund seiner Blindheit kann er leider nicht wieder auswildert werden, da er in der Natur nicht überleben würde. Der Bussard lebt nunmehr notgedrungen auf Dauer in der Wildtierstation. 

Der Raubvogel ist inzwischen ein wenig an den Menschen gewöhnt; andernfalls dürfte ich ihn keinesfalls mit seinen messerscharfen Krallen und spitzem Schnabel auf dem Arm tragen.

Dieser majestätische Schlangenadler ist gerade eingetroffen. Wenn seine Flügel wieder geheilt sind, erreichen sie eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 170 cm. 

Von der Ersthilfe zu den Außengehegen

Nachdem die Wildtiere medizinisch von Anima versorgt wurden, folgt die Vorbereitung auf die Auswilderung. Hierfür haben die Tierschützer:innen größere Außengehege, wo insbesondere die Vögel ihre Flugfähigkeiten wieder trainieren können.

Dieses Geier-Pärchen baut sich ein Nest. Tierpfleger Nikitas hofft daher auf baldigen Nachwuchs.

Auch Säugetiere wie Dachse und Füchse sowie Reptilien wie Schildkröten und Schlangen wohnen hier zur Zwischenmiete. Es erfolgt so wenig Kontakt mit Menschen wie nötig, um die Gefahr zu mindern, dass die Wildtiere sich an den Menschen gewöhnen könnten. Der Mensch soll für die Wildtiere weiterhin eine potenzielle Gefahr darstellen. Wie erfolgreich dieses Konzept funktioniert, muss Anastasia am eigenen Leib erfahren. Zusammen mit Nikitas betreten wir auf eigenes Risiko und mit gehörigem Abstand zu den Greifvögeln das Fluggehege der Schlangenadler. Anscheinend war der Abstand dennoch nicht groß genug.

Urplötzlich fliegt einer der stattlichen Raubvogel auf Anastasia zu!

Sie kann sich gerade noch ducken…

…bevor der Schlangenadler direkt über ihrem Kopf landet.

Aufforstung nach den Waldbränden

Unter den Klimawandel bedingten Waldbränden leiden Anwohner:innen und Wildtiere gleichermaßen, die ihre Felder beziehungsweise ihren Lebensraum verloren haben. Die Waldbrände in Griechenland im August 2021 töteten drei Menschen, mindestens zwanzig wurden verletzt und Dutzende von Häusern brannten nieder. Nach einer historischen Hitzewelle erreichten die höchsten Temperaturen 47,1 Grad. Die Behörden evakuierten mehrere Dörfer und Städte. Es verbrannten 125.000 Hektar Waldfläche. 

In Kooperation mit der Nonprofit-Organisation We4all möchten wir daher zumindest einen kleinen Teil in Ostattika wieder aufforsten. Wichtig ist es natürlich, dass ausschließlich heimische Bäume, Pflanzen und Büsche gepflanzt werden. Vor Ort haben wir insgesamt 400 Zypressen, Johannisbrot- und Judasbäume sowie Lorbeersträucher gepflanzt.

Auch ein Jahr nach den Waldbränden haben sich betroffene Wälder kaum bis gar nicht erholt.

Natürlich kann unsere bescheidene Baumspende den Schaden nicht wieder aufwiegen, doch es ist ein kleiner Anfang.

Jeder zukünftige Wald beginnt schließlich mit dem ersten Bäumchen.

Die Klimawandel bedingte Trockenheit hat auch in diesem Sommer Menschen, Tieren und Pflanzen einiges abgefordert. Während zeitgleich auf Kreta sturzflutartige Regenfälle niedergehen und für Überflutungen sorgen, hoffen die Bäume hier dringend auf etwas Regen.

Der letzte Baum ist gepflanzt und gewässert. Ein gutes Gefühl.

Die Rückreise

Wie auf dem Hinweg reisen wir erneut klimaschonend mit Bussen und Zügen. Über Sofia sowie mit dem Nachtzug von Bukarest nach Wien geht es zurück ins heimische Norddeutschland. Die Hinfahrt mussten wir noch unter “schön, aber anstrengend” verbuchen, um Anreisezeit zu sparen. Auf dem Rückweg haben wir uns dafür zumindest etwas mehr Zeit gelassen, um nicht jeden Tag unterwegs sein zu müssen, wodurch wir jede Menge spannende Erfahrungen machen dürften. Die rumänische Hauptstadt Bukarest gilt wohl zu Recht als das “Paris Osteuropas” – und wer einmal in Wien war, der weiß ohnehin um dessen architektonische Schönheit. 

Eine malerische Wanderung zur goldenen Stunde durch das bulgarische Witoscha-Gebirge.

Pflichtprogramm in Bukarest: Ein traditionelles Bier genießen im altehrwürdigen “Caru’ cu bere”.

Wien an einem Tag? Unmöglich! Alleine für die Galerien und Kunstausstellungen vom Hundertwasserhaus über das Museumsquartier bis zum Albertina sollten Kulturinteressierte genug Zeit einplanen.

Fazit: Umweltfreundlich reisen mit dem Zug? Absolut empfehlenswert!

Wir danken herzlich unserer Kooperationspartnerin der Aktionsgemeinschaft Artenschutz sowie den griechischen NGOs Anima und We4All für ihre großartige Unterstützung!