Leben ohne Plastik. Ein Selbstversuch.

Plastik ist in unserem Alltag ist omnipräsent. Kurzfristig mag es praktisch sein, doch langfristig ist es eine ökologische Katastrophe. Es wird höchste Zeit, plastikfrei(er) zu leben. Doch wie fängt man an? Dr. Kevin Riemer (KR) von der UmweltDruckerei hat auf der Reflecta in Wiesbaden mit der Kommunikationsdesignerin Nele Prinz (NP) über ihre „No Plastic Challenge“ gesprochen. Sie hat einen Monat lang komplett ohne Plastik gelebt.

Plastik ist allgegenwärtig

KR
Plastik ist praktisch, günstig und vielseitig. Worin liegen eigentlich genau die Probleme bei diesem Material für Mensch, Tier und Umwelt?

NP
Ich gehe direkt mal auf das „vielseitig“ ein. Um vielseitige Kunststoffe zu bekommen, die alle unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, müssen dem Kunststoff bei der Herstellung bestimmte chemische Zusatzstoffe beigemischt werden. Und genau diese Stoffe machen Plastik so gefährlich, wie zum Beispiel Phthalate (Weichmacher) oder Bisphenol A, die unseren Hormonhaushalt beeinflussen. Wir nehmen sie über Nahrung oder Hautkontakt auf. Mögliche Folgen sind Unfruchtbarkeit, Krebs und Allergien. Winzige Plastikteile befindet sich auch in vielen Kosmetika – als Peeling und Füllmaterial. Durch das Abwasser gelangen sie ins Meer, setzen dort Giftstoffe frei und werden von Fischen mit Nahrung verwechselt. Dadurch werden erst die kleinen Tiere vergiftet, dann größere Fressfeinde und schließlich am Ende der Kette landet das Plastik wieder auf dem Teller des Menschen.

KR
Welche Schlussfolgerungen haben Sie für sich persönlich aus diesen öko-sozialen Nachteilen des Plastiks gezogen?

NP
Gegen diesen Plastikwahnsinn muss etwas getan werden. Und das Beste ist, wenn man bei sich selbst anfängt. Für meine „No Plastic Challenge“ habe ich einen Monat komplett ohne Plastik gelebt. Das war erst mal sehr krass, aber es hat mir gezeigt, wie viel Plastik ich vorher verwendet habe, ohne mir darüber viele Gedanken zu machen. Einige Gebrauchsgegenstände konnte ich auswechseln oder habe sie alternativlos gestrichen. Gemüse und Obst habe ich fast immer gefunden – und dabei auch gesehen wie komplett sinnfrei Manches verpackt war. Andere Lebensmittel habe ich erst nach manch nervenaufreibender Suche in Nachbarstädten gefunden. Vor allem Kosmetika und Putzmittel waren sehr schwierig oder gar nicht zu bekommen. Hier habe ich im Internet recherchiert und Rezepte zum selbst Herstellen gefunden. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Man kann wirklich mit den einfachsten Hausmittelchen sehr viele gifte Putzmittel ersetzen. Eines dieser Wundermittel ist Natron. Damit habe ich Abflüsse gereinigt, Gerüche neutralisiert, Armaturen zum Glänzen gebracht und mir die Haare gewaschen.

KR
Ihr Einsatz ist wirklich vorbildlich. Haben Sie vielleicht noch ein paar Tipps, die jeder von uns ganz einfach in seinen Alltag integrieren und umsetzen kann?

NP
Auf Plastiktüten beim Einkaufen zu verzichten erscheint mir der leichteste Schritt, mit dem ja zum Glück schon viele anfangen. Zum Teil auch, da immer mehr Geschäfte ihre Plastiktüten nicht mehr kostenfrei herausgeben. Darüber hinaus sollte man im Alltag einfach etwas aufmerksamer sein und sich selbst ab und zu fragen, wo im eigenen Alltag überall Plastik vorkommt. Zum Beispiel im Café oder Restaurant, wenn man ein Getränk bestellt. Es dauert eine Weile und viele ärgerliche Momente bis man bei der Bestellung daran denkt, den Plastik-Trinkhalm abzubestellen. Auch der Deckel vom Coffee-to-go-Becher ist aus Plastik. Und der wird meist nur wenige Minuten verwendet. Man kann den Deckel auch weglassen, einen Schluck abtrinken und erst dann mit dem Kaffee losziehen. Oder man gönnt sich fünf Minuten Ruhe und trinkt ihn direkt im Café. Man kann dabei wunderbar Menschen beobachten und etwas entschleunigen. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit wird wieder viel Plastikmüll durch unnötige Produkt- und Geschenkverpackungen produziert.

KR
Vielen Dank für die sehr interessanten und motivierenden Einblicke! Wir von der UmweltDruckerei hoffen, dass auch andere LeserInnen zum Nachdenken und Nachmachen angeregt werden.

Verzicht auf Plastik - es lohnt sich darüber nachzudenken

Ein Gedanke zu “Leben ohne Plastik. Ein Selbstversuch.

  1. Pingback: Erdöl-Förderung: Ein Desaster für Mensch und Natur