Wenige Projekte, klare Entscheidungen – ein Gespräch mit Chances for Nature

Chances for Nature wurde 2011 von Biolog:innen gegründet und arbeitet im Naturschutz mit bewusst begrenztem Fokus.
Der Verein konzentriert sich auf wenige Projekte und begleitet diese über lange Zeiträume.
Für die Kommunikation ihrer Arbeit nutzt Chances for Nature unter anderem das Magazin Waldgeflüster, das bei uns gedruckt wurde.
Vor diesem Hintergrund hat uns interessiert, wie Entscheidungen in einer Organisation getroffen werden, die sich bewusst begrenzt und langfristig arbeitet.

Waldgefluester Magazin, Chances for nature

Interview mit Dr. Christian Matauschek, Gründungsmitglied und 2. Vorsitzender von Chances for Nature

Dr. Christian Matauschek

Was hat Sie an der praktischen Naturschutzarbeit am meisten überrascht, als Sie angefangen haben?

Wir haben als Verein vor nunmehr fast 15 Jahren aus der wissenschaftlichen Arbeit heraus begonnen, uns in der praktischen Naturschutzarbeit zu engagieren. Was wir sehr schnell gelernt haben, war, dass man es dabei oft mehr mit Menschen und ihren Bedürfnissen und Befindlichkeiten zu tun hat als mit Tieren. Naturschutz bedeutet immer auch Zusammenarbeit, Kommunikation und Abstimmung mit verschiedenen Interessensgruppen. Außerdem ist das Ausmaß an Bürokratie, sowohl in Prozessen vor Ort als auch in der Akquise und beim Abwickeln von Fördermitteln, immer wieder erstaunlich und bindet viel Arbeitskraft, gerade wenn viel ehrenamtliches Engagement beteiligt ist.

Gibt es Entscheidungen, die Sie heute anders treffen als zu Beginn Ihrer Arbeit?

Zu den wichtigsten Lessons Learned gehören Geduld und Beharrlichkeit sowie das Vertrauen in lokales Engagement. Heute würden wir Entscheidungen stärker aus dieser Perspektive heraus treffen. Gleichzeitig haben wir gelernt, nicht der Versuchung zu erliegen, zu viel in zu kurzer Zeit anpacken zu wollen. Stattdessen setzen wir bewusst auf realistische Schritte, nachhaltige Entwicklungen und darauf, lokalen Strukturen Zeit zu geben, sich zu entfalten.

Sie arbeiten mit einem klaren Fokus auf wenige Projekte. Was bedeutet dieser Fokus konkret – und worauf verzichten Sie bewusst?

Wir konzentrieren uns auf unsere Kernprojekte in Madagaskar und Myanmar. Diese Fokussierung bringt klare Vorteile: Sie ermöglicht langfristige Arbeit, ein gutes Kennen aller Interessensgruppen und der beteiligten Bevölkerung vor Ort sowie lokal stark verwurzelte Teams in den verschiedenen Regionen. Dadurch entsteht Vertrauen bei der lokalen Bevölkerung, die immer unsere Hauptzielgruppe ist. Wir versuchen bewusst, ein Gießkannenprinzip mit kurzfristigen Kleinprojekten zu vermeiden. Gleichzeitig haben wir mit unserem Primaten-Partner-Programm die Möglichkeit, lokalen Initiativen kurzfristig zu helfen und flexibel zu unterstützen. Mit unserer Expertise fokussieren wir uns vor allem auf Primaten und Elefanten, die wichtige Schlüsselarten für ihre jeweiligen Lebensräume sind. Das heißt: Wo sie leben können, können auch viele andere große und kleine Arten überleben.

Sie begleiten Projekte über lange Zeiträume. Was macht diese langfristige Arbeit im Alltag schwierig?

Lange Zeiträume sind für erfolgreiche Naturschutzarbeit entscheidend. Aus der Erfahrung wissen wir, dass beispielsweise kurze Workshop-Formate ohne anschließende Betreuung und langfristige Begleitung der Beteiligten durch die jeweiligen Projektteams häufig nicht besonders nachhaltig wirken. Genau hier liegt jedoch ein Problem: Die meisten Fördermöglichkeiten durch öffentliche Geber oder Stiftungen sind oft auf kurzfristige Einzelmaßnahmen beschränkt. Verlässliche langfristige Förderpartner zu finden, die auch bereit sind, laufende Kosten eines Projektes mitzufinanzieren, stellt daher für unseren Einsatz die größte Herausforderung dar.

Worauf achten Sie, wenn Sie Ihre Arbeit nach außen erklären?

Wir bemühen uns immer, spannende Geschichten zu erzählen und viele Eindrücke aus den Projektgebieten zu vermitteln. Besonders wichtig ist uns, die Menschen aus den Teams vor Ort zu Wort kommen zu lassen, denn sie sind die eigentlichen Heldinnen und Helden des Natur- und Artenschutzes. Mit dem „Waldgeflüster Magazin“ haben wir ein Medium geschaffen, mit dem wir Unterstützende und Vereinsmitglieder auf dem Laufenden halten und Berichte aus dem Alltag vor Ort teilen, durch die man direkt in die dortige Welt eintauchen kann. Wir stellen auch gerne die Tier-Arten aus den Projektgebieten in den Fokus und bekommen dazu positives Feedback, was wir z.B. an den vielen Menschen sehen, die eine unserer Tier-Patenschaften übernehmen und so unsere Arbeit unterstützen.

Bei der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern: Worauf achten Sie besonders, wenn diese – wie wir – selbst einen Nachhaltigkeitsanspruch formulieren?

Für eine Organisation wie die unsere hat Nachhaltigkeit eine hohe Priorität. Gleichzeitig müssen Qualität und Zuverlässigkeit stimmen. Druckerzeugnisse sind einer der wenigen Bereiche, in denen wir externe Dienstleister in Anspruch nehmen müssen. Deshalb sind wir besonders froh, in der dieUmweltDruckerei gerade für diesen Bereich einen Partner gefunden zu haben, dessen Nachhaltigkeitsanspruch mit unseren eigenen Werten vereinbar ist.

Was würden Sie anderen Organisationen raten, die unsicher sind, wie viel sie über Ihre Arbeit kommunizieren sollten?

Grundsätzlich sind wir bisher gut damit gefahren, so viel und so transparent wie möglich zu kommunizieren. Das ist besonders wichtig für unsere Projektpartner und die Menschen, die uns mit Spenden unterstützen – hier wollen wir natürlich alle so gut wie möglich abholen und zeigen, was wir tatsächlich gemeinsam bewirken. Da wir ein kleines Team sind und die Projektarbeit im Alltag natürlich den Vorrang bekommt, müssen wir bei der Kommunikation nur immer etwas priorisieren. So setzen wir z. B. in unseren Beiträgen auf Social Media zwar auf Kontinuität, posten aber eher mehrmals im Monat als in der Woche, um auch wirklich relevante und schön aufbereitete Inhalte zu teilen. Es macht uns viel Spaß, für alle unsere Kanäle kreativ zu werden und so unser grünes Netzwerk weiter wachsen zu lassen.

Wir danken Dr. Christian Matauschek für das offene Gespräch und die Einblicke in die Arbeit von Chances for Nature.

Waldgefluester