Über den Sinn und die Notwendigkeit eines nachhaltigen Bankings

In unserem Blog-Artikel haben wir bereits über die öko-sozialen Vorteile nachhaltiger Banken berichtet. Dr. Kevin Riemer-Schadendorf (KRS) von der UmweltDruckerei hat bei Inas Nureldin (IN), dem Co-Founder & CEO von Tomorrow, nachgefragt, wie sie nachhaltiges Banking voranbringen möchten.

Nachhaltiges Banking mit Tomorrow
Tomorrow ist ein Social Business, das im Jahr 2018 von den Gründern Inas Nureldin (l)., Michael Schweikart (m.) und Jakob Berndt (r.) mit der Vision gestartet wurde, Geld als Hebel für einen positiven Wandel zu nutzen.

KRS:
Beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis habe ich schon kurz mit deinem Kollegen und Tomorrow-Mitgründer Jakob Berndt geschnackt, der mit eurem Team „Nachhaltiges Banking“ nach vorne bringen möchte. Doch bevor wir dazu kommen: Was haben die konventionellen Banken aus Nachhaltigkeitsperspektive eigentlich alles falsch gemacht?

IN:
Viele herkömmliche Banken investieren nach wie vor in sozial- und klimaschädliche Industrien wie Rüstung, Massentierhaltung oder Kohlekraft, dazu gibt es viele Studien. Der kürzlich veröffentliche Report des Weltklimarats (IPCC) macht einmal mehr deutlich, wie wenig Zeit wir haben, um der Klimakrise und deren verheerenden Auswirkungen entgegenzuwirken. Und hierbei spielen Banken und deren Investitionen eine immens wichtige Rolle. Wir haben Tomorrow vor rund zwei Jahren gegründet, um das Geld unser Kund*innen in die richtige Richtung zu lenken und für den positiven Wandel arbeiten zu lassen, den wir so dringend für unser aller Zukunft brauchen.

KRS:
Mit dem von Kund*innen eingezahlten Geld wird also von den konventionellen Banken primär gewinnmaximierend gewirtschaftet. Gemäß unseren Recherchen wird teils das 33-fache des Eigenkapitals an Fremdkapital aufgenommen und investiert. Das ist nicht nur ziemlich riskant, sondern es fördert zudem die falschen Projekte, die Mensch, Tier und Umwelt schaden. Welche Bereiche finanziert Tomorrow?

IN:
Wir investieren unsere Kund*inneneinlagen in Green und Social Bonds. Derzeit liegen unsere Investments bei 31.500.000 Euro, die den Bereichen erneuerbare Energien, klimafreundliche Transporte, bezahlbarer Wohnraum bzw. sozialer Wohnungsbau und nachhaltigen Gemeinschaften zugutekommen. Die Details können Interessierte auch in unserem Nachhaltigkeitsbericht nachlesen, da sind die Bonds detailliert aufgelistet.

Neben der nachhaltigen Investition der Kund*inneneinlagen unterstützen wir außerdem Klimaschutzprojekte: Bei jeder Zahlung schützen User*innen ein Stück Regenwald in Brasilien. Außerdem gleichen wir den durchschnittlichen monatlichen Co2-Fußabdruck unserer Zero-Nutzer*innen aus, indem wir nachhaltige Projekte im Globalen Süden fördern.

KRS:
dieUmweltDruckerei ist schon bei der nachhaltigen GLS-Bank. Was unterscheidet euch vom bisherigen nachhaltigen Banking?

IN:
Mit Tomorrow wollen wir nachhaltiges Banking raus aus der Nische und in den Mainstream holen. Das gelingt uns neben der konsequenten Nachhaltigkeit mit einer technologischen Darreichung, die zeitgemäß und vor allem einfach und bequem zu bedienen ist. Ein Alleinstellungsmerkmal ist unter anderem das Impact Board der App, das in Echtzeit anzeigt, wie viele Kund*inneneinlagen auf den Tomorrow-Konten liegen, was mit dem Geld finanziert wird und wie viel Regenwald die Community bislang gemeinsam geschützt hat. Seit Kurzem können sich Kund*innen in der Tomorrow-App außerdem die Co2-Bilanz ihres Einkaufs anzeigen lassen – dadurch erhoffen wir uns mehr Transparenz und Anreiz, den eigenen Co2-Fußabdruck zu reduzieren. Was uns außerdem sehr wichtig ist: Wir kommunizieren mit unserer Community auf Augenhöhe und sind wünschen uns offenen Dialog – sei es via Social Media oder in regelmäßig stattfindenden Meet-Ups, also Diskussionsrunden, in denen wir beispielsweise neue Features mit Kund*innen besprechen, Fragen beantworten und Wünsche aufnehmen.

KRS:
Ihr habt vor einiger Zeit zum „kollektiven und völlig legalen Bankraub“ aufgerufen! Was hat es damit auf sich?

IN:
Auch wenn die Kampagne schon ein wenig her ist, der Aufruf ist natürlich nach wie vor aktuell. Was es damit auf sich hat? Banken investieren – wir haben es bereits angesprochen – in Industrien, die die wenigsten Menschen selbst unterstützen. Wieso dann das Geld dafür arbeiten lassen? Die einzige Möglichkeit: Das eigene Geld in eine nachhaltige Zukunft investieren, indem man es den „bad banks“ raubt und aufs neue Tomorrow-Konto überweist. Wir nennen das: Bankraub for Good!

Nachhaltiges Banking mit der Tomorrow-Holzkarte